Volltext: Hans Sachs

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ausfchließlich für die Schule, nicht für die Öffentlichkeit, der 
fie nicht angehören follten, deshalb murden fie auch nicht durch 
den Druck verbreitet. 
Die Nerdienfte des Hans Sachs um die Nürnberger 
Singfchule haben wir bereits im vorigen Kapitel zu fchildern 
gefucht. Eins fet noch hinzugefügt: er erweiterte den Kreis 
der vorgefchriebenen Stoffe, indem er auch die weltliche Poefie 
in der Schule heimifch machte. Seinem gefunden, wahren 
und lebensfrohen Gemüte war es ein Bedürfnis, fich nach 
jeder Richtung hin dichterifch auszufprechen. Was er in unab- 
läffigem Auffpüren und durch eifriges Lefen fich zu eigen 
gemacht, daran wollte er auch feinen Sreunden Anteil gewähren. 
Und es ift in der That bewunderungswürdig,. was Ddiefer ein: 
fache Schuhmacher in den Stunden feiner AMuße as und 
ftudierte, wunderbarer noch, mit welcher Leichtigkeit er es in fich 
aufnahm und dichterifch umfeßte. Was’er an Derdeutfchungen 
der Schriftfteller, Gefchichtichreiber und Dichter des Alter: 
tums nur erreichen Fonnte, was ihm Ddie ältere und zeitgendf- 
fifche Literatur an Chronifen, Gefchichten und Reifejchilderungen 
darbot, was er endlich aus den Dolfs{chriften, aus Dichtung 
und Sage {chöpfen Fonnte, alles war ihm willfommen, und 
fafßlt jedem Stoffe wußte er die rechte Seite abzugewinnen. 
MWar es ihm einerfeits eine liebe, ja zur anderen ANatur gewor: 
dene Gewohnheit, fich in alte Zeiten zu verfenkfen und fo feine 
Wißbegierde zu befriedigen, jo war doch im Grunde Ddiefe 
ganze Chätigfeit nichts anderes als AWMittel zum Zwedk, Und 
fein Endziel war es immer, das, was er in fich aufgenommen, 
neu wieder hervorzubringen und es dann der Heinen oder 
großen Welt zu vermittehn. 
Der Dichter muß diefen Drang befigen, und Hans Sachs 
war er in hohem Maße eigen. 
Am nächften, zumal in der erften Zeit, ftand ihm die 
Singfchule. Sür fie hat er unabläffig gearbeitet, Sechzehn 
Meiftergefangbücher, in die er beinahe viertaufend dreihundert 
Bare oder Meifterlieder eintrug, legen für die äußerft frucht- 
bare Chätigfeit unferes Dichters nach Ddiejfer Seite hin das 
befte Zeugnis ab. Die Vorbilder, Prophezeihungen, Pfalmen 
und Sefjfchichten des alten Teftaments, die Evangelien und 
Epifteln aus dem neuen und ihre Ausleaungen, AMaterien aus
	        
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