Felsenkuppe hineinsah über den rauschenden Fluß in das Dunkel des dichten
Arwaldes. Nur einige Söldner und Handwerker, die den Burgbewohnern
mentbehrlich waren, haben sich in nächster Nähe niedergelassen und so
den Aufang gelegt zu der schon nach verhältnismäßig kurzer HZeit weit
imd breit berühmten Reichsstadt, deren Handelsbeziehungen nicht nur in
allen Kändern der alten, sondern auch in die neue Welt sich verzweigsten.
Asnige und Kaiser kehrten in ihr mit besonderer Vorliebe ein und suchten
ihre Unterstützung in drangvollen Seiten, Poeten und Künstler fanden hier
Gönner und Freunde, kunstfertige Handwerker lohnende Beschäftigung,
angesehene Geschlechter reichliche Gelegenheit zu kühnem Wagen und
amsichtigen Handeln. Kurzum, eine Freude war's, zu sehen, wie deutscher
Fleiß, deutsche Geschicklichkeit und Kraft sich emporrang aus beengenden
Fesseln zu frischem Blühen und Gedeihen in einem Gemeinwesen, wo
freieres Denken und Glauben eine Zufluchtsstätte fand und den fruchtbaren
Boden schuf für eine herrliche Saat.
Werfen wir zunächst einige Blicke von der sog. Freiung der Burg
auf die in einen schwärzlichen Dunstschleier eingehüllte Stadt zu unseren
fFüßen, so gewahren wir vorerst nur die aus dem Nebel hervorragenden
Schieferdächer einzelner Kirchen, wie der Lorenzer-, Sebalder, der Frauen-⸗,
der Deutschordenskirche, der Synagoge mqjestätische Kuppel, dazwischen
imd weit und darüber hinaus unzählige Fabrikschlöte, die emsis darauf
osqualmen und wie riesige Ausrufezeichen dem Beschauer allenthalben
entgegenragen, als wollten sie ihm erzählen von manchem heißen Ringen
nach Geld und Gut, von manchem frevlen Wagnis und ernstem Streben
ind von andern gar bedeutungsvollen Zuständen, auf die wir des näheren
hier nicht eingehen können. Unterdessen hat die Sonne sich Bahn gebrochen
und sendet ihr siegreiches Strahlenheer hernieder auf die Nebelhülle, die
äingstlich in die engen Gassen sich zu verkriechen sucht, und Giebel um
Giebel, Häusermauern, Fensterreihen und Straßenfluchten treten hervor,
bis endlich die Fabrikstadi unverhüllt vor uns sich ausdehnt und fern im
Süden auch etwas wie dunkles Gehölz und schimmerndes Wasser hervorlugt
uind einzelne grüne Wiesenstreifen das Bild abschließen. Doch ist es Heit,
auch dem Orte eine kurze Betrachtung zu widmen, der, wie wir bereits
oben erfuhren, der Staͤt zu ihrem Entstehen verhalf — nämlich der
altersgrauen Burg. Und zwar gilt unser erster Besuch naturgemäß dem
ältesten und ehrwürdigsten, dem, wie Mummenhoff sagt, in seiner Art
gewaltigsten und bemerkenswertesten Baudenkmale der ganzen Burg und
der ganzen Stadt, dem sog. fünfeckigen Churm, den man für einen
Römerthurm hielt, was aber in das Gebiet der Fabel zu verweisen ist.
Der im Jahre 1588 und 1420 zerstörte Teil wurde durch einen
Backsteinbau ergänzt. Was den Namen dieses Bauwerkes anlangt, so ist
zu bemerken, daß sein Grundriß im Fundamente quadratmäßig ist, wie
der innere Raum, daß er aber einen Ansatz hat, der den Dienst eines
ttützenden Pfeiler versieht und so den Thurm nach außen fünfeckig
erscheinen läßt.
Mummrenhoff setzt die Entstehung dieses Thurmes, der schon im
Mittelalter Alt-Nürnberg geheißen wurde, etwa in den Anfang des